Preise für Camps und Kurse: so leitest du sie her
Eine Kostenrechnung mit Leitung, Raum, Material, Essen und Versicherung, der Betreuungsschlüssel als Stellschraube, Geschwisterrabatt und der Ferienpass als Einstieg.
Aktualisiert am 12. September 2026
Viele Anbieterinnen und Anbieter setzen ihren Preis, indem sie schauen, was andere verlangen, und dann etwas darunter bleiben. Das fühlt sich sicher an, führt aber oft dazu, dass am Ende der Woche wenig übrig bleibt oder du selbst gratis gearbeitet hast. Besser ist der umgekehrte Weg: Du rechnest zuerst, was das Angebot kostet, und leitest daraus den Preis ab. Dieser Artikel zeigt die Methode, ohne Frankenbeträge vorzugeben. Die Zahlen kennst nur du.
Schritt 1: Alle Kosten auflisten
Nimm ein Blatt oder eine Tabelle und schreib jede Position auf, die dein Camp oder deine Kursserie verursacht. Die üblichen Blöcke:
- Leitung: deine Stunden und die deiner Leiterinnen und Leiter, inklusive Vorbereitung, Aufräumen und Elternkontakt. Rechne mit einem Stundenansatz, den du dir selbst auch bezahlen würdest.
- Raum: Miete für Halle, Atelier oder Küche, anteilig auf die Woche oder das Semester umgerechnet. Wenn du den Raum gratis nutzt, notiere trotzdem einen Wert, damit du weisst, was passiert, wenn das ändert.
- Material: Verbrauchsmaterial pro Kind und Anschaffungen, die du über mehrere Durchgänge abschreibst.
- Essen: Mittagessen, Zwischenverpflegung, Getränke, bei Camps ein grosser Posten.
- Versicherung: Haftpflicht, allenfalls Unfallzusatz, anteilig.
- Kleinkram: Anmeldeverwaltung, Ausflugsbillette, Drucksachen, Software.
Teile die Liste in fixe Kosten, die unabhängig von der Kinderzahl anfallen, und variable Kosten pro Kind. Das ist die Grundlage für alles Weitere.
Schritt 2: Den Betreuungsschlüssel festlegen
Der Betreuungsschlüssel ist die wichtigste Stellschraube. Er bestimmt, wie viele Leitungspersonen du brauchst, und damit den grössten Kostenblock. Überleg dir, welche Zahl bei deiner Aktivität verantwortbar ist: Beim Klettern oder im Wasser braucht es mehr Augen als beim Malen. Je kleiner die Gruppe pro Leitung, desto höher der Preis pro Kind, aber auch desto stärker das Argument in der Ausschreibung. Schreib den Schlüssel als Zahl hin, denn Eltern lesen ihn.
Schritt 3: Mit der Mindestbelegung rechnen
Rechne nicht mit der vollen Gruppe. Nimm die Kinderzahl, ab der du das Camp sicher durchführst, zum Beispiel zwei Drittel der Plätze. Teile die fixen Kosten durch diese Zahl, addiere die variablen Kosten pro Kind und einen Zuschlag für deine unternehmerische Arbeit und für Ausfälle. Das Ergebnis ist dein Mindestpreis. Ist die Gruppe voller, bleibt mehr übrig. Ist sie knapp, bist du nicht im Minus.
Schritt 4: Den Preis auf dem Markt prüfen
Erst jetzt lohnt sich der Blick auf ähnliche Angebote in deiner Region. Liegst du deutlich darüber, prüfe, ob dein Angebot etwas bietet, das den Unterschied erklärt, etwa längere Betreuungszeiten oder eine kleinere Gruppe, und schreib das in die Ausschreibung. Liegst du deutlich darunter, frag dich, ob du eine Position vergessen hast. Auf den Listen von feriolo.ch, etwa bei Gemischtes Programm oder Polysport, siehst du, was Anbieter mit ähnlichen Betreuungszeiten verlangen.
Geschwisterrabatt: ja, aber gerechnet
Ein Geschwisterrabatt ist bei Familien beliebt und füllt Plätze, die sonst leer blieben. Er darf den Preis senken, aber nie unter den Mindestpreis. Ein bewährter Weg: Der Rabatt gilt für das zweite Kind derselben Familie in derselben Woche, und du nennst ihn in der Ausschreibung als Prozentsatz oder als Betrag. Was du nicht tun solltest: einen Rabatt gewähren, den du dir nur bei voller Gruppe leisten kannst.
Ferienpass als Einstieg
Viele Gemeinden und Regionen führen einen Ferienpass, bei dem Kinder für wenig Geld einzelne Halbtage besuchen. Für dich bringt das kaum Ertrag, aber etwas anderes: Familien lernen dich und deinen Ort kennen, ohne Risiko. Wer dort einen guten Nachmittag erlebt, meldet sich für das kostenpflichtige Camp an. Rechne den Ferienpass darum nicht als Kurs, sondern als Werbung, und plane ihn so, dass er dich nichts kostet ausser Zeit.
Den Preis erklären
Eltern zahlen eher einen fairen Preis, wenn sie sehen, was drin ist. Schreib deshalb in die Ausschreibung: Betreuungszeiten, Mittagessen, Material, Betreuungsschlüssel. Ein Preis mit Erklärung wirkt anders als eine nackte Zahl. Was in eine Ausschreibung gehört, steht in der Übersicht der Ratgeber für Anbieter.
Kurz-Checkliste
- Alle Kosten stehen auf einer Liste, getrennt in fix und variabel.
- Der Betreuungsschlüssel ist festgelegt und begründet.
- Der Mindestpreis ist mit der Mindestbelegung gerechnet, nicht mit der vollen Gruppe.
- Der Marktvergleich kommt nach der Rechnung, nicht davor.
- Der Geschwisterrabatt unterschreitet den Mindestpreis nicht.
- Der Ferienpass ist als Einstieg geplant, nicht als Ertrag.
Wenn dein Preis steht, trag dein Angebot auf feriolo.ch ein. Es gibt keine Provision, Eltern melden sich direkt bei dir, und der Preis, den du nennst, ist der Preis, den du bekommst.